Zwischen Selbstmachen und Buch


Jonny Bauer arbeitet in verschiedenen Formen:
Texte, Zeichnungen, Musik.

Manches beginnt ohne klares Ziel und findet seine Richtung erst im Tun.
Zwischen Selbermachen und Veröffentlichung entstehen dabei Bücher.

5 Fragen. 5 Antworten.



Du machst viele verschiedene Dinge:
Warum wird etwas bei dir am Ende ein Buch – und nicht Bühne oder Ton?

Worte für Bühne und Musik können eine Grundidee für ein Buch liefern. Andersherum können auch Ausschnitte aus meinen Romanen in Songtexten wiederverwertet oder in eine andere Richtung gelenkt werden. Ich trenne das nicht so strikt.

Die Arbeit an einem Buch ist auch nicht unbedingt länger als die an Songtexten. Zehn Texte für ein Album brauchen mit Überarbeitung und Anpassung an die Musik schon mal 1 Jahr. Mir fällt das Schreiben längerer Texte leichter als die reduzierte Form, die ich für einen Song brauche. Momentan macht mir das Schreiben an Jugendromanen, Lesealter ab 12 Jahren, am meisten Spaß. Da kann sich beim Schreiben alles wild entwickeln.

Du kommst aus einer Do-It-Yourself-Haltung.
Was verändert sich daran, wenn am Ende ein Verlag beteiligt ist?

Man muss vieles loslassen, abgeben und hat keinen Einfluss mehr darauf. Eine schmerzhafte Erfahrung und jedes Mal wieder nervig. Manche Verlagsentscheidungen sind nicht nachvollziehbar: Covergestaltung, Änderungen, Marketing.

Do-It-Yourself heißt nicht, alles alleine zu machen, sondern mit Gleichgesinnten etwas Kreatives zu erschaffen, ohne Berücksichtigung von marktstrategischen Überlegungen. So arbeitet man nur mit Menschen, auf die man Bock hat, die einen inspirieren und mit denen man Spaß hat. Ich tue mich wirklich schwer mit dem kommerziellen Aspekt, besonders in Bezug auf Kinder- und Bilderbücher. Auf der weltgrößten Kinderbuchmesse in Bologna haben Kinder keinen Zutritt. Es ist ein Geschäft. Es sollte um die Kinder gehen, um Geschichten, Bestärkung, Freiheit und Träume. Ich habe schon Absagen von Kinderbuchideen bekommen, in denen es hieß: zu fantasievoll.

Beim Arbeiten gibt es einen Punkt, an dem man noch alles verwerfen könnte.
Gibt es den bei dir – oder gehst du einfach weiter?

Eigentlich gibt es diesen Punkt nicht, meistens gibt es auch ein Ende. Wenn es mir dann nicht gefällt, lasse ich es liegen und arbeite nicht mehr weiter daran. Vielleicht komme ich dann später nochmal darauf zurück. Etwas liegen zu lassen ist eine gute Methode, um es besser zu machen. Alles braucht seine Zeit.

Das Tollste ist, die Sprache der Darsteller:innen zu finden, so zu denken, zu fühlen und zu handeln wie sie. Dann läuft es. Das Schreiben an sich ist sehr erfüllend, deshalb ist auch das Drumherum, wie der Verkauf etc., so langweilig und ermüdend.

Weißt du beim Schreiben schon, worauf du hinauswillst – oder zeigt sich das erst unterwegs?

Das zeigt sich unterwegs. Es gibt eine Grundidee, einige skizzierte Handlungsstränge, Orte und Protagonist:innen. Dann geht es auf Reisen. Wenn ich richtig drin bin und mir wie aus dem Nichts Dinge einfallen, die es immer weiter treiben. Das ist es. Wirklich eine große Freude und zehn Tonnen Spaß.

Gab es beim Schreiben von Ameisensommer (erscheint am 27. April 2026) etwas, das erst im Prozess klar wurde und am Anfang ganz anders gedacht war?

Der Titel war anders gedacht, und auch war das Buch etwa ein Drittel kürzer. Da der Text noch größer werden musste, sind einige Kapitel dazugekommen, was das Buch verändert hat, da ein neuer Rhythmus entstand. Da bin ich aber offen rangegangen, und durch die Erweiterungen ist die Geschichte besser geworden. Es hat sich gelohnt. Ganz zu Anfang war der Beginn der Geschichte noch ein anderer, den habe ich nach ein paar Monaten neu geschrieben. Namen von Personen ändere ich oft noch ziemlich zum Schluss. Ihre Eigenschaften müssen erst geschrieben sein, damit ein Name passt.

Unsere Fragen, seine Worte.
Mit Jonny Bauer. Danke.

Bis bald – zwischen den Zeilen

Stimmen aus dem Buchkosmos, der Gesprächsraum
für alle, die Bücher nicht nur lesen,
sondern möglich machen.

Inés & Björn

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